Zuflucht im Schönen No. 51: Nana, der Kranich und der Popo

Datum
Ort you-tube

Produktive Missverständnisse ...

sind Freundschaften oft. Auch die die zwischen Zola und Manet, die so unterschiedliche Auffassungen hatten, vom Leben, den Frauen und der Sexualität. Mit Paul Cézanne, der seit der Jugend in der Provence ein enger Freund von Zola war, kam es nach einer schleichenden Entfremdung zum Bruch, als Cézanne glaubte, sich in Zolas Roman "Das Werk" als Malergestalt wiederzufinden ... Ihre Auffassung der Wirklichkeit und der Wahrnehmung war jeweils so existenziell, dass sie sich offenbar nicht mehr darüber verständigen konnten.

Diese Unterschiede konnten Zola und Manet besser überbrücken; beide traten füreinander ein, beide inspirierten sich, und beide stellten eine junge Prostituierte dar: Nana. Es handelt sich beim Modell (für beide wohl!) um die Schauspielerin Henriette Hauser. 

Doch Manets Bild von ihr ist ungleich zärtlicher, gewitzter und wärmer als das von Zola. Mit dem Kranich ....

....  spielt Manet augenzwinkernd auf das Wort "grue" an, das im Französischen den Kranich, umgangssprachlich aber auch die Prostituierte bezeichnet. Er setzt den hübschen Kranich auf die Wandmalerei im Hintergrund und sein aufgeplustertes Gefieder in eine Achse mit Nanas Unterkleid und ihrem ebenso herausgestreckten Popo. Das zarte Weiß gipfelt in den Spitzen ihres Unterrocks ...

Das Bild hängt in der Hamburger Kunsthalle, wo ich es zusammen mit der Malerin Dietlind Horstmann-Köpper im vergangenen Winter anschauen konnte.